Wie man den grünen Daumen glücklich macht – die richtige Gartenplanung

Wer neu gebaut hat steht leider meist vor dem selben Dilemma wie ich: Einem braunen Maulwurfshügel, einer übergroßen Sandkiste und meterhohe Unkrautberge verteilt auf dem gesamten Grundstück. Wie kriegt man jetzt aus diesem Wirrwarr einen schönen Garten? Mit der Frage haben wir uns auch lange beschäftigt und ich möchte euch ein paar Tips auf den Weg geben, die mir bei der Planung sehr geholfen haben um euch dann schlussendlich unser Ergebnis zu zeigen.

Das wichtigste vorweg

Strom und Wasseranschlüsse

Noch bevor wir überhaupt mit der Gartenplanung angefangen haben, haben wir uns vom Elektriker schonmal ordentlich Reservekabel für den Garten legen lassen. Denn genauso wie innen, möchte ich auch außen nicht auf schöne Leuchten verzichten. Das Outdoorwohnzimmer soll ja schließlich genauso gemütlich sein wie innen! Wir haben an jeder Hausseite zwei 5-adrige Kabel verlegen lassen, die wir nun nach Bedarf quer im Garten verbuddeln können!

Der Profi

Wir haben uns unseren Garten einmal professionell durchplanen lassen. Im Endeffekt wird nichts so, wie geplant, aber es half trotzdem zu wissen, was man möchte, was sinnig ist und wo man vielleicht lieber die Finger von lassen sollte. Habt ihr einen guten Garten-/Landschaftsplaner wird er euch zum Beispiel zu Beginn erstmal die Frage stellen, wieviel Zeit ihr überhaupt in den Garten investieren möchtet und könnt. Denn seien wir mal ehrlich: Ein schön geplanter Garten ist auch nur dann schön, wenn er intensiv gepflegt und beackert wird. Da mein Mann und ich beide voll berufstätig sind und ich oft in ganz Deutschland unterwegs bin, haben wir nicht täglich 4 Stunden Zeit um uns um unseren Garten zu kümmern! Unser zuerst geplanter Garten sah zwar aus wie direkt aus dem Schlosspark von Versailles entsprungen, würde aber vermutlich auch nur die ersten 4 Wochen so prächtig aussehen…
Genauso teuer war er auch, weswegen wir mit unserem ausführenden Gartenbauer (direkt aus unserem Dorf – support your local dealer und so) nochmal konkret über den Plan gegangen sind. Dazu kam, dass unsere 1. Planung noch vor Fertigstellung des rechten Nachbars stattfand und durch die Lage des Nachbarhauses unsere Terrassenlage zunichte wurde – es sei denn ich würde dicht an dicht mit meinem Nachbarn frühstücken wollen (ähm nein).
Ganz für die Katz war die 1. Gartenplanung aber dennoch nicht. Wir haben viele Grundideen wie Pflanzen und Materialvorschläge in unsere finale Planung übernommen. Ein Profi hat eben doch nochmal konkrete Ideen und auch mal ausgefallenere Pflanzideen (z.B. Dachplatanen als moderne Überdachungsmöglichkeit!). Selbst wenn es nicht um die gesamte Planung der Grünanlagen geht würde ich immer vom Profi beraten und eventuelle Alternativen aufzeigen lassen.

Das Budget

Oh, das bisschen Grün, das kann ziemlich zu Buche schlagen. Wir waren ziemlich schockiert, was das Anlegen eines Gartens so kostet und haben dann wirklich abgewägt, welche Dinge wir selber machen möchten und welche einfach vom Profi gemacht werden müssen. Wir haben Angebote verglichen und gerechnet. Und das schöne bei einem Garten: Wie das Grün, so darf auch der nach und nach wachsen. Wir fangen jetzt erst einmal mit den Terrassen an. Der Vorgarten wird bis Herbst oder nächstes Jahr warten müssen und im gesamten hinteren Garten wird erstmal nur Rasen angesäht. Wir wollen dann wenn alles fertig ist selber Hecken, Sichtschutz und Hochbeete anlegen. Denn das kriegt man mit etwas Zeit und der Hilfe von Pinterest / DIY Seiten und Ratschlägen von Freunden und Nachbarn sicherlich alleine hin. Auch wenn es vielleicht etwas länger dauernd als vom Profi oder die ein oder andere Schönheitsmacke hat 😀

Der Bebauungsplan

Tja, was soll ich sagen … Einige von euch kennen ja sicherlich noch unser Problem mit dem roten Klinker, der eigentlich mal grau sein sollte, aufgrund BPlans aber nicht umsetzbar war. Die ein oder andere Einschränkung am Haus gab es noch, doch dass ich auch massive Vorschriften und Einschränkungen im und um den Garten habe, hätte ich zu Anfangs nie für möglich gehalten. Unser Grundstück grenzt nach hinten direkt an ein Naturausgleichsgebiet auf dem aktuell noch Dammwild lebt. Spätestens nächstes Jahr wird diese Weidefläche verschwunden sein und zu einer Naturwiese umfunktioniert werden. Dort soll dann “Wohnraum” für Bienen, Schmetterlinge und andere Insekten entstehen.

Unser Baustreifen war früher einmal ein altes Sägewerk mit viel offener Lagerfläche und musste gewisse Auflagen erfüllen um in ein Wohngebiet gewandelt zu werden. Hier Stichpunktartig unsere Auflagen, die wir erfüllen müssen:

  • die hintersten 5 Meter unseres Grundstückes dürfen nicht bebaut werden – es ist Pflicht mindestens 2 Bäume und 3 Sträucher zu pflanzen (aus einer Pflanzliste einheimischer Bäume)
  • hinter diesem Ausgleichsstreifen kommen erneute 5 Meter freie Fläche auf der keine feste Gebäudeart stehen darf (diese 5 Meter zählen also nicht zur Bauzone des Grundstückes)
  • im Vorgarten haben wir auch solch eine 5 Meter Linie, auf der auch hier nur einheimische Pflanzen (aus besagter Pflanzliste) gepflanzt werden dürfen (von meiner immergrünen Hecke durfte ich mich also frühzeitig verabschieden)
  • wird zur Einfriedung ein Zaun gewählt, so darf dieser nur maximal 1,20m hoch sein und eine natürliche Pflanzenhecke muss sich davor befinden
  • in den ersten 50cm des Grundstückes darf unsere Einfahrt (zusammengerechnet mit dem Zuweg) nur 4,50m breit sein (dies kommt daher zustande, dass diese 50cm der Stadt gehören und diese nicht will, dass diese 50cm mit Pflaster oder ähnlichem zugelegt werden)

Wie ihr seht sind da einige Dinge dabei wo an einfach nur den Kopf schüttelt. Aber was soll man machen… Mich würde es ja mal interessieren, ob diese Auflagen nur bei uns so schlimm sind oder ihr auch mit solchen “Amtsdusselein” bestraft seid.

Die 3D Planung

Nachdem wir grob immer und immer wieder unsere Gartenideen auf Papier gebracht haben, habe ich mich die Tage mal genauer mit dem 3D Programm Sketch Up, welches in begrenzter Form (reicht für den ersten Eindruck völlig!) frei verfügbar ist für WIN und MAC. Mit etwas Übung und den ein oder anderen Youtube Videos habe ich dann an einem Tag unser Haus mit Grundstück nachgebaut um dann ganz konkret unsere Pläne mal sehen zu können. Gerade da uns unser Vorgarten Probleme bereitet, wurde mit Hilfe der 3D Darstellung alles deutlich einfacher. Man kann auch eben schnell mal Dinge nach- und ausmessen wodurch auch die Planung von maßstabsgetreuen Dingen viel einfacher und vorstellbarer wird.

Das Ergebnis

Im folgenden zeige ich euch nun unsere gesamte Gartenplanung. Aktuell steht auf unserem Grundstück wirklich nur unser hübsches, 90qm in der Grundfläche, großes Haus – verloren und einsam auf einer 1200qm großen Fläche 😀 Doch das wird sich dann hoffentlich bald ändern!

Das Grundstück

Unser 1200qm Grundstück hat eine tolle Südwest-Lage wodurch wir ab dem frühen Mittag bis spätabends Sonne auf der Rückseite haben. Unser Haus steht circa 14m von der Straße (linker Rand) weg. Unser hinterer Garten misst 32m in der Länge und knappe 22m in der Breite. Das Haus hat eine Grundfläche von ca. 90qm. Am rechten Bildrand grenzt das Grundstück wie oben erwähnt an das Naturausgleichsgebiet mit wundervollem Blick über eine große Wiese mit anschließendem kleinen Waldrand. Wir haben nur zur obere und unteren Seite Nachbarn, vor unserer Straße befindet sich ein Aldi und ein Netto ist gerade in der Bauphase. Wir liegen allerdings rücklinks zu den Geschäften wodurch wir nicht vom Parkplatz und von den Leuten gestört werden. Die Straße ist eine komplette Neubaustraße und alles ist sehr liebevoll schon angelegt worden (inkl. Baumreihen als Sichtschutz zu den Einkaufsmöglichkeiten und der Hauptstraße gegenüber).

Der Vorgarten

Unseren Vorgarten möchten wir gerne als eine Art “Hof” gestalten. Zur linken soll eine Doppelgarage kommen, zur rechten ein Gartenschuppen. Die beiden Gebäude grenzen das Haus zur linken und rechten Seite ein. Der gesamte Hof wird mit Kies gestaltet, zwei einzelne Hochstämme grenzen die Einfahrt ein. Diese kommt mittig zur Eingangstür. Eine Hecke aus Hainbuche (aus unserer Pflanzliste) wird im grünen 5m Streifen stehen. Irgendwann ist eventuell ein Zaun mit Gartentor und -tür geplant. Zu Anfangs wird alles aber offen bleiben. Vor dem Haus wird passend zu unseren Terrassen ein Podest entstehen.

Die Terrassen

Wir haben zwei Hauptterrassen geplant. Die kleine misst 5x3m und befindet sich unmittelbar vor der Küchen-Schiebetür (linke Seite). Vor unserem Galeriefenster führt ein Weg (1×0,50m Platten im Kiesbett) zur großen Terrasse welche 7x5m groß ist und vom Wohnraum zugänglich ist. Auf der kleinen Terrasse planen wir eine gemütliche Loungecke einzurichten, die große Terrasse dient dem Grill/Koch- und Essbereich. Vor der großen Terrasse befindet sich über die gesamte Länge ein 2m breites Kiesbeet, in denen drei 2m hohe Dachplatanen stehen werden (die gab es leider nicht im 3D-Programm). Als Sicht- und Windschutz wird eine Holzwand um das hintere Eck mit kleinem Beet für Lavendel o.a. gestellt. Die Terrassen sind wie im Bild 2 Stufen höher als der Garten. Wir gestalten sie mit 1x1m Betonplatten der Firma Klostermann. Der Kies wird vermutlich in einem mittleren Grau gewählt.

Der Garten

Der Garten wird zu Anfangs erstmal komplett mit Rasen angelegt. Das hintere Stück (insgesamt 12m von Grundstücksende) wird sich 3 Stufen niedriger als das Stück davor befinden. Wir planen dort unseren Nutzgarten und finden es toll, wenn wir nicht direkt auf die Beete schauen. Zusätzlich bietet der hintere Gartenbereich ein Paradies für spätere Kinder, die ihren eigenen “Bereich” mit Schaukel, Sandkasten, … dort haben können. Der Hang wird mit L-Steinen abgefangen, die innenliegende Treppe wird passend in Beton-Blockstufen gestaltet. Links und rechts von der Treppe (auf der höheren Ebene) könnte ich mir noch gut ein paar Büsche und Sträucher vorstellen, die die hintere Ebene noch einmal ein wenig optisch trennen vom vorderen Garten.

Zum Thema Sichtschutz zu den Nachbarn wird es erst einmal offen bleiben. Unsere Nachbarn zur Rechten (Standpunkt oberes Bild) haben einen Winkelbungalow und die Terrasse zur gegenüberliegenden Seite wodurch wir von ihnen eigentlich so gut wie gar nichts mitbekommen. Die Nachbarn zur Linken haben ihre Terrasse ähnlich gelegt wie unsere. Dort werden wir mit einer Hecke arbeiten um ein wenig Sichtschutz zu sichern.

Fazit

Insgesamt bin ich sehr zufrieden mit der Planung und ich freue mich wenn Ende August der hintere Garten mit Terrassen, Dachplatanen und Senkgarten hinten steht. Dann geht es ans Bepflanzen, Sichtschutze erstellen, Hecken pflanzen und es sich einfach schön machen. Es wird sicherlich noch ein Gartenpost folgen bei dem ich euch das fertige Ergebnis zeige.

Ich hoffe der doch etwas ausgeartete Post hat euch dennoch Freude beim Lesen bereitet.

Bis bald, eure