Hausbaukolumne: Die Entscheidung – Landleben vs. Stadtleben

Nie wieder Kleinstadt! Großstadtleben ich komme!

Ursprünglich komme ich aus einer circa 20.000 Einwohner großen Stadt in der Nähe von Kassel. Ich habe mich immer sehr wohlgefühlt dort aber nach meinem Abitur 2007 zog es mich aufgrund des Studiums nach Dortmund. Mit rund 600.000 Einwohnern ist Dortmund die achtgrößte Stadt Deutschlands. Und ich habe es geliebt. Aussagen wie “Ich werde nie wieder zurück in so eine kleine Stadt ziehen” hörten Freunde und Familie oft. Und ich hatte schon immer den Wunsch irgendwann nach Hamburg zu ziehen – noch größer, noch städtischer. Im August 2012 zogen dann mein Mann und ich nach Hamburg (ein Jahr nachdem wir uns kennengelernt hatten). Für mich war es ein lang ersehnter Wunsch und für ihn ein guter Tapetenwechsel aus einer stressigen Zeit.

Wir hatten wirklich Glück mit unserer Wohnung. Für Hamburger Verhältnisse wirklich günstig für die Quadtratmeteranzahl und in Bahrenfeld gelegen – einer wirklich hübschen Wohngegend wie ich finde. Trotzdem, dass wir uns immer sehr wohl gefühlt haben, ertappten wir uns dabei wie wir immer mehr den Wunsch nach Ruhe und Grünfläche hegten. Zuerst noch sehr leise, doch ab der Hochzeit im Juli 2014 dann immer deutlicher. Man sprach über Zukunftswünsche und Kinderplanung – und irgendwie war uns beiden klar, wir möchten, genau wie wir als Kinder, nicht in einer Großstadt aufwachsen und leben. Auch der Alltagsstress, wenn wir mal raus in die Natur gefahren sind, war wie weggeblasen und diesen “Luxus” der Erholung nach der getanen Arbeit wollten wir täglich. Ebenso hatten wir schon seit geraumer Zeit den Gedanken an “eigene 4 Wände”. Eine Wohnung zum Kauf kam für uns nicht in Frage und nach einiger Recherche zu freien Grundstücken oder Häusern war schnell klar: entweder zu klein, in zweiter Reihe, umgeben von zig Mehrfamilienhäusern oder eben viel zu teuer. Oder alles kombiniert!

 

Die Suche nach dem richtigen Fleckchen Erde

Also ging die Suche nach einem passenden Grundstück / Haus Mitte 2014 los. Zuerst noch im direkten Grenzgebiet von Hamburg. Mit längerer Suche erweiterte sich der Umkreis deutlich. Immer noch wegen oben genannten Faktoren. Irgendwie waren wir immer “nördlich” vom Augenmerk bis eine Freundin von mir uns fragte ob wir denn schonmal südlich von Hamburg am Rand der Lüneburger Heide geschaut hätten. Sie kommt ursprünglich von da und kennt die traumhafte Gegend also von Kindesbeinen. Wir waren erst sehr skeptisch denn wer mal zu Stoßzeiten Richtung Innenstadt gefahren ist und dort entweder auf den Elbtunnel oder die Elbbrücken angewiesen ist … kein Spaß sage ich euch. Nichtsdestotrotz schauten wir uns die Gegend mal an … tja und wie soll ich es sagen … ich war schockverliebt! Die noch Nähe zur Großstadt Hamburg, die neu gewonnene Nähe ins wunderschöne Städtchen Lüneburg und das ländliche, traumhaft idyllische Fleckchen Erde “Heide” hatte uns sofort um den Finger gewickelt. Und hier gab es auch noch bezahlbare Eckchen Land weswegen das Thema “Hauskauf” schnell vergessen war – denn den Traum vom Bauen des eigenen Traumhauses war immer unser Favoritenplan gewesen.

Unser ganz persönliches Traumfleckchen fanden wir dann sogar recht schnell. Im Januar 2015 standen wir das erste mal auf unserer Neubaustraße mit Blick ins Naturschutzgebiet. Ein kleines Dörfchen, 40km südlich von Hamburg – mit circa 6000 Einwohnern – aber allen wichtigen Läden im Ortskern (3 Einkaufsmöglichkeiten, Drogeriemarkt, Ärzte, Kindergarten, Schule, Florist, …). Die Autobahn erreicht man in circa 10 Minuten was die Reise zur Arbeit für meinen Mann erträglich macht. Kommt er gut durch ist er in ca. 35 min an seiner Arbeit. (Nur mal zum Vergleich: Frühe fuhr er für 8km quer durch die Stadt und hatte die gleiche Fahrzeit wenn er gut durchkam!). Im März 2015 unterschrieben wir unser Traumgrundstück und sind daher – wider meiner jugendlichen Weissagung – nun waschechte Dorfbewohner!

Was hat sich verändert?

Nach nun knapp 1,5 Jahren Landleben können wir sagen: Wir bereuen diese Entscheidung nicht. Doch was genau hat sich seitdem verändert? Ganz klar: Es gibt sowohl Vor- als auch Nachteile. Das muss jedem bewusst sein. Wir haben es früher wirklich geliebt Abends mal eben kurz loszudüsen und etwas in den zahlreichen Lokalitäten Essen zu gehen. Meist konnte man das sogar ohne Probleme zu Fuß.
Das “eben mal flott” in die Stadt um ein, zwei Dinge zu besorgen oder eben nur mal ein Stündchen zu bummeln, gibt es jetzt nicht mehr. Wir fahren immernoch regelmäßig in die Stadt rein, aber man überlegt einfach vorher wie wichtig es nun wirklich ist, da einfach doch durch die Fahrzeiten viel Zeit bei drauf geht. Das “Essengehen” ist dank toller Lokalitäten hier auch noch machbar – aber ist sowieso aufgrund der eigenen Traumküche nicht mehr so oft der Fall. Jetzt wird viel häufiger abends gemeinsam gekocht und (bei schönem Wetter) im eigenen Garten genossen.

Trotz der verschiedenen “verlorenen” Dinge, ist ein ganz essentieller Punkt dazugekommen, den wir gewonnen haben: Erholung. Mein Mann sagt mir fast jeden Tag wie sehr er schon bei der Fahrt abends nach Hause abschalten kann und wie sehr die Natur einen beruhigt. Da wir beide viel arbeiten und auch stressige Jobs haben, bei denen man mitunter mit schwierigen Kunden zu tun hat oder auch mal länger von zu Hause weg ist, ist ein Ort zum “nach Hause kommen” für uns so wichtig geworden. Der Blick ins Naturschutzgebiet, die unfassbare Weite und Gelassenheit, die dieser Ort hier ausstrahlt ist für uns persönlich ein wirklich wahrgewordener Traum. Mit jedem Tag fühlt man sich hier mehr zu Hause. Das “Verlangsamen und zur Ruhe kommen” in der heutigen schnellen und stressigen Zeit fällt uns hier viel leichter und wir können hier viel schneller unsere Energietanks wieder auffüllen.

 

Wie steht ihr dazu? Steht oder standet ihr auch vor der Entscheidung Stadt gegen Land oder andersrum zu tauschen? Wie sind eure Gedanken und eure Erfahrungen? Ich würde mich freuen wenn ihr mich an eurer Meinung teilhaben lassen würdet!

 

Eure,

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